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Die neuen Leiden des jungen W.

 

Die neuen Leiden des jungen W. wurde 1975 von Eberhard Itzenplitz nach der Buchvorlage Ulrich Plenzdorfs verfilmt. Neben Klaus Hoffmann spielte Leonie Thelen die Charlie.

Die Handlung:

Die Geschichte Edgar Wibeaus wird in dem Film durch Gespräche des Vaters mit den Beteiligten rückblickend erzählt. Zwischen den Szenen gibt Edgar selbst als "Toter" seine eigenen Gedanken aus dem "Jenseits" wieder, indem er immer wieder in das Bild springt und so wichtige Details ergänzt bzw. einfach seine Sicht der Dinge erzählt. Es ist eine der wenigen Filme, die damals bereits das Blue-Screen-Verfahren verwendet haben, um diese Einblendungen von Wibeau überhaupt erst in der Form zu ermöglichen.

Edgar Wiebeau ist ein unauffälliger Musterlehrling. Er lebt mit seiner Mutter zusammen, die ihn alleine großgezogen hat, da der Vater sich schon in Edgars Kindheit nach Berlin abgesetzt hat. Seine Mutter unterbindet jeden Kontakt-Versuch des Vaters, so daß Edgar seinen Vater eigentlich kaum kennt.

Eines Tages bricht er aus diesem Alltag aus. Er möchte nicht länger als Vorzeigebild im Betrieb gelten, ist angenervt von dem spießigen Leben mit seiner Mutter und kann ihr die Bevormundung und Verletzung seiner Privatsphäre nur schwer verzeihen. Nachdem es zu einem Zwischenfall im Betrieb kam und er auch noch für seinen Freund Willi zu rebellieren versucht, haut er mit diesem zusammen ab in die Wohnlaube von Willis Familie. Doch der Freund kehrt schnell in das normale Leben zurück.

Edgar beschließt, sein eigenes Leben zu leben und bewirbt sich bei der Kunsthochschule. Doch er wird abgelehnt, und so versucht er autark in der kleinen Wohnlaube zurechtzukommen. Irgendwann würde man schon erkennen, was für ein verkanntes Genie er sei. Er beginnt abstrakte Bilder zu produzieren, macht Musik und genießt dieses Leben ohne Zwänge und Bevormundungen.

Bei einem Gang aufs Plumpsklo findet er ein altes Buch, dessen Umschlagseiten fehlen, da er die in seiner Not als Toilettenpapier benutzte. Den Rest beginnt er, mehr aus einer Laune heraus, zu lesen. Er hat keine Ahnung, daß es "Die Leiden des jungen Werther" von Goethe ist und eigentlich interessiert es ihn anfänglich auch gar nicht. Die Geschichte ist für ihn "reiner Mist" und dieser Werther ein Mensch, dem nicht zu helfen ist. Sein Vorbild ist da eher der Titelheld vom "Fänger im Roggen", mit dem er sich vollkommen identifiziert.

Doch schon nach kurzer Zeit läßt ihn die Geschichte von diesem Werther nicht mehr los und er liest das Buch in einem Zug durch. Er erkennt immer mehr Parallelen zwischen Werther und sich und fängt an, viele Stellen des Buches auf seine Situation zu übertragen.

Seinem Freund Willi, der Einzige, der von seinem Aufenthaltsort weiß, schickt er von Zeit zu Zeit Tonbandcassetten, um ihm zu erzählen, wie es ihm ergeht. Immer mehr spricht er jetzt euphorisch Werther-Zitate auf Band, die seinen Freund aber eher beunruhigen, da er überlegt, ob Edgar jetzt total am abdrehen sei.

Nach kurzer Zeit trifft Edgar auf dem Nachbargrundstück eine junge Kindergärtnerin, die dort mit einer Horde Kinder spielt. Er tauft sie kurzerhand Charlie, ganz nach dem Vorbild der "Charlotte" aus dem Werter. Mit einem Male ist er rettungslos verliebt in die junge Frau. Schmachtend spricht er auf sein Tonband:,,Kurz und gut, Wilhelm, ich habe eine Bekanntschaft gemacht, die mein Herz näher angeht. Einen Engel."

Doch das Glück ist nicht gerade auf seiner Seite. Charlie ist bereits verlobt, mit Dieter, ein junger Mann, der gerade beim Militär seinen Dienst ableistet. Durch und durch ein Muster-Bürger. Für Edgar bricht eine Welt zusammen, doch solange der "Rivale" nicht da ist, nutzt er die Gelegenheit, um Charlie näherzukommen. Doch der Erfolg will sich nicht so recht einstellen, und als Dieter schließlich zurückkehrt, bricht der Kontakt zu Charlie ab.

Um das nötige Kleingeld zum Überleben zu verdienen, bewirbt er sich bei einer Malerbautruppe, ist jedoch nicht sonderlich erpicht darauf, sich einzugliedern. Als dann auch noch der Versuch scheitert, mit einer von der Truppe entwickelten Farbspritzmaschine zu arbeiten und der ganze Umkreis mit Farbe versaut wird, wird er kurzerhand gefeuert. Edgar verfällt von nun an der Idee, seine eigene Maschine zu entwickeln. Seine Kollegen würden schon noch sehen, was für ein toller Kerl er ist.

Doch bevor er sich richtig an die Arbeit machen kann, erreicht ihn eine Nachricht von Charlie. Sie hat inzwischen geheiratet, möchte Edgar aber dennoch gerne einmal wiedersehen und bittet ihn, sie doch einfach mal zu besuchen. Der folgt Charlies Bitte sofort und versucht sogar, sich mit Dieter gutzustellen. Sie verabreden sich für das Wochenende, doch als er erscheint, um beide abzuholen, möchte Dieter nicht mehr mit. Muster-Bürger haben eben immer etwas anderes zu tun. Charlie, rasend vor Wut, zieht mit Edgar alleine los. Sie mieten sich ein Boot und fahren bei strömendem Regen über die Spree. Auf einer kleinen Insel kommen die beiden sich näher. Doch das Glück währt nicht lange. Charlie läuft geplagt von Gewissensbissen Hals über Kopf weg.

Edgar kehrt reichlich zerknirscht in seine Laube zurück und arbeitet jetzt wie ein Besessener an seiner selbstentwickelten Maschine. Zu allem Überfluss steht er nun auch noch unter massivem Zeitdruck, da ihm der Abriß der Laube mitgeteilt wurde und sich nun auch noch seine Mutter ankündigt, die rausbekommen hat, wo ihr Sohn sich aufhält. Edgar möchte es allen jetzt richtig zeigen, malt sich aus, wie stolz er auf seine Erfindung sein kann.

Kaum hat er die Maschine fertiggestellt, möchte er sie zum ersten Mal ausprobieren. Obwohl er selbst voller Zweifel ist über die technische Vertretbarkeit seiner Konstruktion, betätigt er den Klingelknopf seiner Laube, die die Maschine in Gang setzen soll. Das ist dann auch Edgars letzte Handlung. Er stirbt durch einen Stromschlag und die Laube fliegt in die Luft.

Ein paar Internet-Seiten zu dem Film:

Bildmaterial und eine Kurzbeschreibung des Goethe-Instituts (in englischer Sprache)

Deutsches Filmhaus

Eine weitere Kurzbeschreibung mit Bild

Die neuen Leiden des jungen W., in dessen Fernseh- und Kinofassung Klaus Hoffmann den jungen Wibeau spielt, avancierte in den 70ern zum Kultfilm. Die Sprache ist frech und witzig und ganz dem Sprachjargon der 70er Jahre-Jugend angepasst. Besonders für die Ostdeutschen spiegelte das Buch von Plenzdorf und die Buchverfilmung Itzenplitzs die Zweifel und die Kritik einer Generation wieder, die gesellschaftlichen Engen, die Zerrissenheit zwischen dem lockeren Leben, Blue-Jeans und Rock´n Roll und dem erwarteten Leistungsstreben des ehemaligen DDR-Alltags. Doch obwohl der Film im Osten Deutschlands spielte, erlangte er auch im Westen - gerade in Kreisen der Studentenbewegung - regelrechten Kultstatus. Und Klaus Hoffmann (damals noch Klaus-Dieter Hoffmann) avancierte ebenfalls zum Kultstar damit. Viele verbinden ihn heute noch mit diesem jungen Edgar Wibeau, der zum großen Teil auch "wie ein Abbild" seiner selbst erscheint. Zumindest in groben Zügen. Dieser "68er-Ede" erreichte eine ganze Generation - in Ost und in West.

Klaus Hoffmann wurde für diese Rolle mehrfach ausgezeichnet und mit einem Schlag gelang ihm auch als Filmschauspieler der ganz große Durchbruch.

"Die neuen Leiden des jungen W." kann ich echt nur heiß empfehlen. Denn jede Beschreibung der Handlung muß zwangsläufig hölzern und fast steril wirken. Man muß ihn einfach mal gesehen haben. Der Film lebt von den Dialogen und der witzigen, flippigen, manchmal unbeholfenen Art Wibeaus und den absurd komischen Situationen. Es ist kein ernster Film, auch nicht tiefschürfend kritisch. Dieser Film macht einfach Spaß!

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