MEIN WEG ( 1999 ) 
   12 KLASSIKER
   

   
01. Was fang' ich an in dieser Stadt   02. Weil Du nicht bist wie alle andern   03. Heut nacht
04. Salambo   05. Gerda   06. Blinde Katharina  07. Der Boxer   08. Estaminet
09. Jedes Kind braucht einen Engel   10. Als wenn es gar nichts wär
11. Mein Weg ist mein Weg   12. Der Feuervogel 
 

 

 

 

 

 

 

 

Was fang ich an in dieser Stadt?

Was fang ich an in dieser Stadt,

die mich zur Angst erzogen hat,

die für die Fragen blasser Kinder

nur einen Maulkorb übrig hat

und ihnen lehrt, selbst ihre Alten,

die noch so viel erzählen wolln,

zu übersehn.


Was fang ich an in dieser Stadt,

die soviel Fortschritt nötig hat,

doch wie ein zahnloses Weib

über alles Neue lacht,

die für Touristen Masken trägt,

wenn ihre Nacht den Dreck verpackt,

was fang ich an?

Was hält mich noch in dieser kalten,

rostig, fett, schon fast verfaulten

Bärenstadt.


Sie scheint mir wie ein alter Bär,

kraftlos und tapsig fällts ihm schwer

in diesem Käfig stark zu sein,

er schnauft schon, schlingt den Atem ein,

doch dieser Bär macht noch nicht schlapp,

er hält sich fest an den Vertrag, zeigt Disziplin,

vier dicke junge Männer schieben, zerren, sie pflegen,

stutzen ihn.


Was fang ich an in dieser Stadt,

wofür gebrauche ich meine Kraft,

was fang ich an in dieser Stadt,

ich bin so hungrig und ich fühle mich so satt.


Wie lange hält man dieses Kaff

mit Antibiotika noch wach,

wie lange wirds noch dauern,

bis sie wieder neue Trümmern bauen,

wann endlich geben sie aus lahmen Überdruß

der Stadt den letzten harten Bruderkuß,

den sie so nötig hat.


Drei Mark fünfzig für ´ne Stadt,

die man so oft geliftet hat,

der man nur noch nicht aus Denkmalschutz

den Todesstoß verpaßt.

Komm, wer will ´n angestaubtes, muffig

und schon halbverfaultes,

stacheldrahtumzäuntes Panoptikum zum Kauf.


Hier herrscht Gleichgültigkeit,

der Haß und der Neid,

der Zaster und das Leid,

die Einsamkeit,

die Heuchelei, die Lüge

Entfremdung und die Not

lassen dich wählen zwischen

Angst und Betrug.

 

 

 

 

 

 

Weil Du nicht bist wie alle andern

Weil du nicht bist wie alle andern,

weil man dich niemals kaufen kann,

weil mit dir tausend Sterne wandern,

weil du auch Wölfin bist und Lamm.


Weil du noch Mut hast, um zu träumen,

weil in dir Schmetterlinge sind,

und weil du Zeit hast, dich an Bäumen

halbtot zu freuen wie ein Kind.


Weil du das große Abenteuer

wie ein Geheimnis mit dir führst,

weil du nicht satt bist und das Feuer

so vieler Leben in dir spürst.


Weil du nicht bist wie alle andern,

weil man dich niemals kaufen kann,

weil mit dir tausend Sterne wandern,

weil du auch Wölfin bist und Lamm.


Weil Du noch in dir suchst und zweifelst,

auch wenn du dich dabei verlierst,

und deine Grenzen überschreitest

und weil du Recht hast, wenn du irrst.


Weil du Verbote einfach ausläßt,

weil du Gesetze haßt wie ich,

weil du dich täglich etwas losläßt,

weil du die Schatten kennst vom Licht.


Weil du ein Herz hast wie ein Bahnhof,

aus dem ein Zug auf Reisen geht.

Und meine Stimme sagt: fahr nicht los,

wenn du für immer von mir gehst.


Weil du nicht bist wie alle andern,

auch wenn du ausgehst wie das Licht,

und mit dir tausend Sterne wandern,

weil es dich gibt, liebe ich dich.

 

 

 

 

 

Heut nacht

heut nacht, lasse ich nichts aus

heut nacht, werf ich alle Angst zum Fenster raus

heut nacht werd ich nichts bedenken

heut nacht werde ich mich verschenken

heut nacht finde ich nach Haus


heut nacht setze ich auf rot

heut nacht weiß ich ganz genau wohin die Kugel rollt

heut nacht werd ich nichts vergessen

nichts verplanen, nichts bemessen

heut nacht ist mein Traum nicht nur ein Wort


heut nacht ist meine Nacht

ist deine Nacht, wir kommen zusammen

heut nacht werden meine Träume wahr

heut nacht ist meine Nacht

ist deine Nacht, wir finden zusammen

und du wirst mein Amerika


heut nacht bleib ich nicht allein

heut nacht reiß ich meine letzten Mauern ein

heut nacht kann mich nichts mehr warnen

heut nacht werd ich mich nicht tarnen

heut nacht wird ein Bettler König sein


heut nacht ist meine Nacht

ist deine Nacht, wir kommen zusammen

heut nacht werden meine Träume wahr

heut nacht ist meine Nacht

ist deine Nacht, wir finden zusammen

und du wirst mein Amerika


heut nacht

heut nacht ist meine Nacht

ist deine Nacht, wir kommen zusammen

heut nacht werden meine Träume wahr

heut nacht ist meine Nacht

ist deine Nacht, wir finden zusammen

und du wirst mein Amerika


heut nacht

heut nacht

heut nacht

heut nacht

heut nacht

 

 

 

 

 

 

Salambo

Ich bin Kellner hier in diesem tollen Schuppen,

wenn das Licht ausgeht, beginnt 'ne heiße Schau

Aus der ganzen Welt beziehen wir die Nutten,

doch die wenigsten davon sind eine Frau.


Von der Sitte kommen jeden Abend Herren,

falls sich einer von den Gästen mal beschwert,

doch die Prominenz läßt sich davon nicht stören,

auch Minister haben hier schon mal verkehrt.


Alle sind bei uns zu jeder Zeit willkommen,

sogar Gruppenreisen werden arrangiert,

fühlt sich einer von den Herren leicht benommen,

wird er sanft in einen Nebenraum geführt.


Heute Nacht zeigt sich vor all den feinen Leuten

die Moral ganz ungeschminkt, doch völlig nackt

auf den Brettern die die geile Welt bedeuten,

zieht sie Gesichter, die man nur zu Hause macht.


Die Bühne frei für Sodom und Gomorrha,

Graf Porno ist bereit für jeden Ritt,

Dornröschen fällt vor Abscheu in Sexstasia,

aber alle klatschen wie die Blöden mit.


Und ich kellner hier, sie kennen mich ja schon,

doch um 12 bin ich die Spitzenattraktion,

dann heiß ich Claudia und tanze die Fandango,

im Salambo.


Wo die Liebe auffällt, hinterläßt sie Spuren,

denn sie musiziert bestimmt keinen Choral,

unter all den schönen Strichern und den Huren,

fühlen Spießer und Studenten sich normal.


Hier gibt´s Zwerge und dressiert Pekinesen,

schlanke Tänzer steigen in das Lotterbett,

Ledermänner, Gummidamen, Fabelwesen,

doch die schlimmsten davon sind aus dem Parkett.


Legionäre kommen von den fernsten Küsten,

um dabei zu sein bei unserm tollen Fest,

manche treiben es sogar mit Polizisten,

und bezahlen noch dafür, daß man sie läßt.


Ich steh´meistens hinterm Vorhang an der Rampe

und pass auf, daß alle ächzen, knutschen, schrein

nur benimmt sich einer wie 'ne echte Schlampe,

dann werd' ich auch privat und hau ihm eine rein.


Die Königin bei uns ist Josefine

sie ist so etwas wie die Heilige Nacht,

und jeder starrt ergriffen auf die Bühne,

wenn der Engel seine Kerzennummer macht.


Und ich kellner hier, sie kennen mich ja schon,

doch um 12 bin ich die Spitzenattraktion,

dann heiß ich Claudia und tanze die Fandango,

im Salambo.

 

 

 

 

 

 

Gerda

Es ist Juli, Sommernächte fliegen ohne Hast,

verweilen kurz und schläfrig,

über Dächern und dem frisch gestochenen Torf.

Eine Meute kleiner Jungen

streift ein letztes Mal für diesen Tag

durch das abendlich

nach warmen Kühen duftende Dorf.

Dicke Mütter ziehn die Bengels zeternd

hinter schnell geschlossene Türen,

stoßen liebevoll den Kleinen zum Wassereimer hin,

das Lachen muß ihm wohl vergehn,

er sieht seinen Strullermann im Wasser stehn

und denkt an Gerda.

Durch die Stube drängt ein warmer Duft

von Großmutter und Schmalz und Wurst,

der Vater stinkt und lacht

und kneift die Frau.

Der Kleine läuft zum Vater hin,

ein Kuß mit Bier und Bart

und viel Gefühl,

die Mutter streicht ihm zärtlich durch das Haar.

Sie trägt ihn lachend in sein Bett,

sie küßt ihn, löscht das Licht

und schließt die Tür.

Er wartet, bleibt ganz still

und steht dann auf,

geht zum Fenster

und macht es auf,

sieht den Markplatz und die Nacht

und spürt den Wind

und sieht Gerda


Tanze, Gerda, tanze,

tanz die ganze Nacht,

brauchst sie nicht zu fürchten,

wir geben schon drauf acht,

daß nicht die Alten kommen,

tanze, Gerda, tanz.


Im Einhorn fängt die Nacht erst an,

da sitzen Melker neben manchen andern,

da steigt die Lotti, wenn sie voll ist, auf den Tisch,

da krachen Stühle,

wenn die Männer viel vom schweren Wein getrunken haben

und klatschen brüllend mit

wenn Lotti sich vergißt.

Da steht der Buckel auf

und sagt, ist Zeit,

die anderen gehen automatisch mit,

sie ziehen geschlossen Arm in Arm

nach draußen auf den Platz,

atmen gierig Wind und ihren Fusel ein

und die Lotti säuselt immer kräftig mit

und sehn auf Gerda.


Tanze, Gerda, tanze,

tanz die ganze Nacht,

brauchst sie nicht zu fürchten,

wir geben schon drauf acht,

daß nicht die Alten kommen,

tanze, Gerda, tanz.


Jetzt ist Nacht, erst richtig Nacht

und der Marktplatz tobt und kracht

und die Gören an den Fenstern brüllen mit.

Der Buckel sitzt auf einem Faß,

die Lotti hängt an seinem Arm

und beide starren auf die Mitte von dem Platz

wo der Sohn des Melkers tanzt,

in seinen Haaren krallt sich Gerda

und beide jagen aus der Menge jetzt heraus,

sie verschwinden im Dunkel der Nacht

und die Menge singt und lacht

und will wie Gerda.


Tanze, Gerda, tanze,

tanz die ganze Nacht,

brauchst sie nicht zu fürchten,

wir geben schon drauf acht,

daß nicht die Alten kommen,

tanze, Gerda, tanz.

 

 

 

 

 

 

Blinde Katharina

Sie trägt auf ihrem Kleide

Phosphorfarben für die Nacht,

für sie ist immer Schweigen,

ob sie redet oder lacht.

Ihre Augen sind die Hände,

sie erkennt dich durchs Gehör,

in ihrer Welt sind viele Wände,

die sieht sie bloß nicht mehr.


Katharina mach mir Mut und halte mich,

gibt's morgen auch kein Wiedersehen,

ich bin doch der Blinde darum führe mich,

du kannst im Dunkeln gehn.

Nur weil ich vermute, daß ich sehend bin,

brauch' ich doch nichts erkennen.

Komm wir schmeißen einfach alle Regeln hin,

du zeigst mir, wie man sieht.


Sie lehrt mich aus der Stille,

wie man wartet, wie man schweigt,

und zeigt aus Herzensfülle,

mal Zorn, mal Heiterkeit.

Wenn sie liebt, dann ist nur Liebe,

wenn sie haßt, dann ist nur Haß,

alles, was sie tut, ist jetzt sofort

mit unbegrenztem Spaß.


Katharina mach mir Mut und halte mich,

gibt's morgen auch kein Wiedersehen,

ich bin doch der Blinde darum führe mich,

du kannst im Dunkeln gehn.

Nur weil ich vermute, daß ich sehend bin,

brauch' ich doch nichts erkennen.

Komm wir schmeißen einfach alle Regeln hin,

du zeigst mir, wie man sieht.


Blinde sind wie Kinder,

deren Herzen man zerbricht,

sie wollen auch im Winter

nur ans Licht, nur ans Licht.

Katharina mach mir Mut und halte mich,

gibt's morgen auch kein Wiedersehen,

ich bin doch der Blinde darum führe mich,

du kannst im Dunkeln gehn.

Nur weil ich vermute, daß ich sehend bin,

brauch' ich doch nichts erkennen.

Komm wir schmeißen einfach alle Regeln hin,

du zeigst mir, wie man sieht.

 

 

 

 

 

 

 

Der Boxer

Rechts ein Stein und ein Baum,

links ein Weg, der dich führt.

Du spürst harten Kies, siehst drei junge Türken stehn,

die fischen in der Spree,

rechts ein Stein und ein Baum,

es ist Sommer im Park.

Da sitzen sie bei Picknick und Tschai.

Alte und Kinder, die schreien sich frei,

und die Zeit schlägt im Takt ihre Kräfte entzwei,

davon bleibt was, davon bleibt was.


Das geht mich immer noch an,

was gewesen ist, greift mich und zieht mich in Bann,

das trag ich auch in Nächten mit,

das hält auch in Träumen Schritt,

das hab ich gehaßt und auch gesucht,

hab so ´ne Sehnsucht.


Da ist Gewalt und die hat Macht,

da ist die Lüge Gebot,

da brauchst du ein Herz aus Beton.

Da findest du die Kinder auf jedem Hof,

die üben den Alltag der Stadt,

an jeder Wand ein Boxer steht,

der Junge macht sich stark,

er hat seine Fäuste zum Himmel gestreckt,

denn er weiß, wer nicht kämpft, der ist bald verreckt,

und er übt für den Tag, wo er alles bezahlt,

wo er rauskommt, ganz groß rauskommt.


Da steht ein Haus, ´ne Couch,

da hängt ein See an der Wand,

da riechts nach Schnaps und Likör.

Sie essen und essen und prosten sich an,

die trinken Schluck für Schluck Gleichgültigkeit,

da ist viel Einsamkeit.

Und der Boxer sitzt da, er hockt mittendrinn,

hält verkrampft seine Tasse, er starrt so vor sich hin,

und er träumt von ´nem Land,

von ´nem Land ohne Geld,

träumt von Cuba, vielleicht Cuba.

 

 

 

 

 

 

 

Estaminet
(Stadt ohne Sonne)

Die Nacht verschenkt ihr graues Band

zu früh ersteigt die Silberwand,

wenn kühl der Morgen aufgewacht,

noch ist sie still, die Stadt.

Nur in der Gosse regt sich schon

ein kleiner mieser Kammerton,

´ne halbwegs weiße Taube singt

von ´nem besseren Land.

Und auf dem breiten Boulevard,

wo gestern noch Gelächter war,

sind alle Stühle hochgeklappt,

ja, sie ist still, die Stadt,

Und durch den Nebel, der zerbricht,

siehst du ganz fern das Licht,

Gesichter Staub am Horizont,

die Karawane kommt.


Estaminet, Estaminet,

alte Kneipe, tuts auch weh,

ich werde gehn,

werde gehn.


Die Stadt macht ihre Fenster auf,

hängt großkarierte Bettten raus.

Nach einer heißen lauen Nacht

ist sie jetzt aufgewacht.

Und dort im Hausflur steht versteckt

der Junge, wartet auf den Treck,

denn alles, was hier dampft und kriecht,

das hält ihn nicht.

Er steht und friert und starrt gebannt,

hält sein Gepäck fest in der Hand,

er hat sie oft im Traum gesehn,

wie sie nach Süden ziehn.

Und mit Gesang und Schellenklang,

hört er sie aus der Vorstadt nahn,

ein Mädchen führt die Vielen an -

die Karawane kommt.


Junge, nimm dein letztes Geld

und schmeiß dich in die große Welt,

soviel gibts, was du lernen mußt,

im Überfluß.

Schnür dir dein Bündel ruhig gut,

laß dir´s nicht nehmen, du brauchst Mut

für diesen Trip aus eigner Hand

ins fremde Land.

Und sie reden von Angst und Flucht,

die haben niemals was gesucht,

was sie so traurig stimmt

ist, daß sie so mutlos sind.

Und lerne viel im anderen Land,

komm zurück, geh uns zur Hand,

hier gibts noch viel, so viel zu tun.

 

 

 

 

 

 

Jedes Kind braucht einen Engel

Sie sind der Anfang und das Licht

doch wir sehn es nicht

sie sind das Wort, daß niemals bricht

doch wir verstehn es nicht


Sie haben Herzen

die begreifen jede Hand, die gibt

und öffnen sich dem

der sich zeigt

und ihnen Liebe gibt


Sie sind das Wasser und die Kraft

doch wir beugen sie

die Kraft, die neues Leben schafft

doch wir beschneiden sie


Sie haben Augen

die können viele Sonnen sehn

doch wer sie bricht

der wird in ihnen

seinen Schatten sehn


Jedes Kind braucht einen Engel 

der es schützt und der es hält

der es schützt und der es hält

jedes Kind braucht einen Engel

der es auffängt wenn es fällt


Sie sind der Boden, der uns trägt

doch wir belächeln sie

das Grün, das aus den Zweigen schlägt

doch wir zerbrechen sie


Sie sind die Zukunft

doch wir sperren ihre Träume ein

und sehen fassungslos, 

aus unsern Mauern stammt der erste Stein


Jedes Kind braucht einen Engel 

der es schützt und der es hält

der es schützt und der es hält

jedes Kind braucht einen Engel

der es auffängt wenn es fällt


...braucht einen Engel 

der es schützt und der es hält

der es schützt und der es hält

jedes Kind braucht einen Engel

der es auffängt wenn es fällt

 

 

 

 

 

 

Als wenn es gar nichts wär'

für einen Traum könnte ich fliegen

für ein Lied zu Grunde gehn

ich lasse jeden Zauberer in meinen Garten

wär´ ich ein großer Mann der Macht

ich würde nach den Bettlern sehn

von den ärmsten Narren ließ´ ich mich beraten

schon als Kind liebte ich barfuß

mit ohnmächtigem Mut

ich hatte nichts und wollte alles geben

die Angst war klein, der Hunger groß

ich warf mich lachend in die Flut

als wenn es gar nichts wär`

als wenn es gar nichts wär`


ich konnte lieben ohne Grund

ich konnte staunen ohne Sinn

meine Welt paßte auf eine Kinoleinwand

die Götter hießen Jones

Stan und Olli, Erol Flynn

sie schenkten mir ein Lebensbuch mit buntem Einband

ich war wie sie, ich war unsterblich

ich war ein Kind, ich hatte Glück

es war ein Spiel, was sollte ich verlieren

ich gab mich hin, so lichterloh

und brannte jeden Augenblick

als wenn es gar nichts wär`

als wenn es gar nichts wär`


doch mit den Jahren kam die Klugheit

mit der Zeit kam die Vernunft

und Tag um Tag verblaßten meine Bilder

weil doch nichts blieb als Einsamkeit

nahm ich mein letztes Kunterbunt

ging auf den Markt der Schwerter und der Schilder

da sprachen Narren wie Gelehrte

Idioten wie Genies

von Wahrheit und von kolossallen Pflichten

und um nicht ganz allein zu sein

bot ich mein Kinderparadies

als wenn es gar nichts wär`

als wenn es gar nichts wär`


jetzt sah ich aus wie jedermann

das Leben nahm mich in die Pflicht

wohl kalkuliert, die Welt war für mich Claro

die Lippen schmal, die Augen matt

ich wurde ernst und ordentlich

und trug man Caro, na dann trug ich eben Caro

bis nichts mehr ging, weil´s alles gab

ich weiß den Tag noch ganz genau

da sah ich mich in einem aufgebrochnen Spiegel

ich hatt´ mein Glitzerzeug getauscht

gegen ein sichres Grau in Grau

als wenn es gar nichts wär`

als wenn es gar nichts wär`


lass´ meiner Seele schwere los

mein Herz, mach deine Fenster auf

Derwisch und Magier, kommt in meinen Garten

ich lass´ das Kind nicht mehr allein

nach all dem Sommerschlußverkauf

ich schlaf´ bei den Verrückten und den Zarten

ich will lieben wie als Kind

barfuß und mit großem Mut

jeden Tag als wär´s der letzte von den Tagen

und immer wieder, glaub mir, mit dir

spring´ ich lachend in die Flut

als wenn es gar nichts wär`

als wenn es gar nichts wär`

als wenn es gar nichts wär`

 

 

 

 

 

 

Mein Weg ist mein Weg

Da ist keiner der adieu sagt , der dich hält

und keiner der dich grüßt und Fragen stellt

und irgendwo da draußen

in der Nacht sollst du dich spür'n

doch alles was dich ausmacht

ist nur Angst dich wieder zu verlier'n

 

Da ist keiner der dich auffängt wenn du fällst

und der dir jetzt Mut macht bist du selbst

und doch in dieser Dunkelheit,

zum erstenmal da siehst du es

zum erstenmal da siehst du es

zum erstenmal zweifelst du nicht

 

Mein Weg ist mein Weg , ist mein Weg

und kein Schritt führt mich jemals mehr zurück

mein Weg ist mein Weg , ist mein Weg

mit Schatten und mit Tränen

mit Lachen und mit Glück

mein Weg ist mein ureigener Weg

 

und wie von selbst wird alles um dich leicht

die Härte verschwindet und dein Herz wird weich

und plötzlich siehst du Augen ,

die dir Liebe geben woll'n

Gesichter , die dich anschaun

die dich wie ein Gast nach Hause holen

Und wie von selbst wird dir warm

und ruhig bist du , liegst in deinem Arm

die Mauer ist zerbrochen , die Mauer ist entzwei

und wo sonst nur die Angst war ,

ist das Kind auf einmal vogelfrei

 

 

 

 

 

 

Feuervogel

Hab keine Angst vor mir mein Lieb

komm, steh' vom Rinnstein auf

und geh mit mir ein kleines Stück.

Hab keine Angst vor mir, mein Lieb

brauchst keine Angst zu haben

vor dem düsteren Mann, der mit dir geht.

Regen fällt ganz sacht auf Blüten,

die schon jetzt zur Ruh' gegangen,

Morgenrot besingt der Vogel,

der schon bald vom Schlaf befangen.


Komm in das Land

wo der Feuervogel wohnt,

der mit Liebe dich belohnt,

weil dort Leben nur die Liebe ist,

weil die Liebe dort das Leben ist.


Hab keine Angst vor mir mein Lieb

und trage ich auch einen wilden schwarzen Bart.

Hab keine Angst vor mir mein Lieb

selbst dein Vater würde gern

wenn er nur könnt nach meiner Art.

Ich seh so viele graue Stunden

in deinem Kindgesicht,

auch spätere Jahre wischen nicht

die Narben vom Gesicht.


Komm in das Land

wo der Feuervogel wohnt,

der mit Liebe dich belohnt,

weil dort Leben nur die Liebe ist,

weil die Liebe dort das Leben ist.


Auch ich hab Angst mein Lieb,

der Sommer brennt im nächsten Herbst.

Auch ich hab Angst mein Lieb,

gib mir die Hand

dann wird es leicht das kalte Herz.

Der Regen wischt das Blut

aus meinem Feuervogelland,

doch Blut, bleibt dennoch Blut,

wischt es auch die allerreinste Hand.

 

Such dir ein Land,

wo der Feuervogel wohnt,

der mit Liebe uns belohnt,

weil dort Leben nur die Liebe ist,

weil die Liebe dort das Leben ist,

weil die Liebe dort das Leben ist.