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WAS BLEIBT? ( 1976 ) |
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01. Blinde Katharina 02. Puppen 03. Marie und Woscheck 04. Die alten Weiberlein 05. Marieke 06. Was bleibt 07. Ein neuer Anfang 08. Geh nicht fort von mir 09. Sechseinhalb Uhr morgens 10. Markttag 11. Tausend Dollar 12. Coda |
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Blinde
Katharina Phosphorfarben
für die Nacht, für
sie ist immer Schweigen, ob
sie redet oder lacht. Ihre
Augen sind die Hände, sie
erkennt dich durchs Gehör, in
ihrer Welt sind viele Wände, die
sieht sie bloß nicht mehr.
gibt's
morgen auch kein Wiedersehen, ich
bin doch der Blinde darum führe mich, du
kannst im Dunkeln gehn. Nur
weil ich vermute, daß ich sehend bin, brauch'
ich doch nichts erkennen. Komm
wir schmeißen einfach alle Regeln hin, du
zeigst mir, wie man sieht.
wie
man wartet, wie man schweigt, und
zeigt aus Herzensfülle, mal
Zorn, mal Heiterkeit. Wenn
sie liebt, dann ist nur Liebe, wenn
sie haßt, dann ist nur Haß, alles,
was sie tut, ist jetzt sofort mit
unbegrenztem Spaß.
gibt's
morgen auch kein Wiedersehen, ich
bin doch der Blinde darum führe mich, du
kannst im Dunkeln gehn. Nur
weil ich vermute, daß ich sehend bin, brauch'
ich doch nichts erkennen. Komm
wir schmeißen einfach alle Regeln hin, du
zeigst mir, wie man sieht.
deren
Herzen man zerbricht, sie
wollen auch im Winter nur
ans Licht, nur ans Licht.
gibt's
morgen auch kein Wiedersehen, ich
bin doch der Blinde darum führe mich, du
kannst im Dunkeln gehn. Nur
weil ich vermute, daß ich sehend bin, brauch'
ich doch nichts erkennen. Komm
wir schmeißen einfach alle Regeln hin, du
zeigst mir, wie man sieht.
wollte hören, wie du heißt. Du sagst, sie hätten ihn dir weggerissen, und daß du ihn schon lange nicht
mehr weißt. Weil aus deinem Mund nur Zahlen
kamen, auf deiner Zunge Ziffern lagen, seh' ich, daß du längst gebrochen
bist, daß dein Name eine Nummer ist.
ich sollte in dir träumen von Honigblumen, Tüll und Samt, du wolltest nichts versäumen. Weil so viel kluge Sprüche kamen, die alle gar nicht deine eignen
waren, seh' ich, daß du längst gebrochen
bist, daß dein Herz sogar aus Gummi
ist.
vom siebenten Himmel die Liebe, ich hatte sie für dich zurechtgemacht, doch sie schien dir hier am Boden
zu trübe. Weil du noch immer mit den Wölfen
heulst, dich nicht von deinen tausend
Fäden befreist, seh' ich , daß du längst gebrochen
bist, daß du nur noch eine Puppe bist. Seh' ich , daß du längst gebrochen
bist, daß du nur noch eine Puppe bist.
''viel Schnaps im Abendwind'', sagt der Nachbar von gegenüber wenn du morgens den Trittstein
verläßt, mit Herrn Pick unterm Arm gehst
du wieder, und der Nachbar ist mächtig entsetzt.
dein Mann, der wird's nicht danken, die Marie auf dem Strich, mit viel Schnaps im Gesicht, und der Woscheck im Hof der stapelt zehn Stunden Torf, und der Schweiß läuft ihm oft
ins Genick, denn er stapelt den Torf für Herrn
Pick.
sanft war der Abendwind, als den Haushalt du machtest für
beide, warmes Brot und ein Bett waren
da, doch bald mußtet ihr Hunger erleiden, denn für Miete war kein Geld mehr
da.
dein Mann, der wird's nicht danken, die Marie auf dem Strich, mit viel Schnaps im Gesicht, und der Woscheck im Hof stapelt zehn Stunden Torf, und der Schweiß läuft ihm oft
ins Genick, denn er stapelt den Torf für Herrn
Pick.
heiß war der Abendwind, von den Lügen im Torf gegenüber, die dir 50 Mark erbrachten im
Nu. Und der Woscheck sah zu euch herüber, und er sah, und sein Mund klappte
zu.
dein Mann, der wird's nicht danken, die Marie auf dem Strich, mit viel Schnaps im Gesicht, und der Woscheck im Hof stapelt zehn Stunden Torf, und das Blut stieg ihm bis ins
Genick, als er stand vor Marie und Herrn
Pick.
Und der Woscheck sah rot, schrie laut aus seiner Not: ''Stich die Wolfzickin tot, stich die Wolfzickin tot'', doch er stach dem Herrn Pick ins
Gesicht, und er stach dem Herrn Pick ins
Gesicht, doch der Nachbar, der danke es
nicht.
am Markttag, da stehn sie zum
Warten bereit. Diese uralten Mäntel mit verbogenen
Schultern, die frieren in jeder Jahreszeit. Sie husten und wanken, torkeln und fliehn, halten sich wie kleine Inseln, die im Dunkeln weiterziehn, und die Augen dieser Adler blicken dich ganz ruhig an, und sie lächeln leicht verbittert, starren deine Jugend an.
der verging, wie er kam, verflog, wie man sah, nur ein Blatt, das vermodert am
Baum.
mit Lametta im Haar und Pumps
an den Füßen, seh' die blühenden Körper zu allem
bereit, im siebzehnten Jahr und in Schönheit
zerfließen. Und sie gurren und schmachten, turteln sind kokett, treiben mit berauschten Herzen die Knaben in ihr Bett, und die Augen dieser Rehe blicken dich verlockend an, sie lächeln kaum errötend, preisen ihre Jugend an.
der verging, wie er kam, verflog, wie man sah, nur ein Blatt, das vermodert am
Baum.
sie zweifeln nicht mehr, sehn die Wolken ziehn, erwarten den letzten Termin. auf Kopfstein tappst du hin, siehst
bald deine Hündin an der Kneipe stehn, du merkst, du hast nicht mal ein
festes Wort für sie. Spürst seit Tagen nur noch Krampf
in dir, vertuscht ihn, spülst ihn weg,
rauchst viel. Und wie immer wartest Du mit fremden
Freunden an langen Tischen auf den nächsten
Morgen. Lachend läßt der Tag dich fallen, wieder weißt du nicht, wofür du
tust -
was schon zu unserm Glück gehört, was in uns Tag und Nacht verweilt, nicht mal mehr unsre Träume stört, ist vielleicht nur Angst, die uns nach vorne treibt.
gezäumt für Hürden flott gemacht, und wenn du erste Schwächen zeigst, kommen Regenmacher, Priester und
Doktoren. Die schmeicheln dir die Sonn'
ins Ohr, ziehst lieber ihre Lügen vor, als eine triste Wahrheit, die
du denkst, du hier ja doch nicht ändern kannst. Lachend läßt der Tag dich fallen, wieder weißt du nicht, wofür du
tust -
was schon zu unserm Glück gehört, was in uns Tag und Nacht verweilt, nicht mal mehr unsre Träume stört, ist vielleicht nur Angst, die uns nach vorne treibt.
im Bächlein, der zum Wildbach
wurd', starrst auf ein andres Ufer, das so viele Träume, Hoffnungen,
doch offen läßt. Du wartest auf den Morgenwind, der dir einen Fährmann bringt, und plötzlich siehst du, wie du
schon bis an den Hals im tiefen Wasser
stehst. Unsre Zeit ist jetzt und hier, da gibt's kein gestern und kein
morgen -
was schon zu unserm Glück gehört, was in uns Tag und Nacht verweilt, nicht mal mehr unsre Träume stört, ist bestimmt nur Angst, die uns nach vorne treibt.
wieder eine Nacht, die wir in einer Kneipe zugebracht. Wir starrten auf die Tür, erwarteten den großen Zufall, der uns Beine macht. Und am frühen Morgen macht einer den Anfang und er
geht, und so stehen wir da und frieren, und die Stadt, die gähnt uns an, doch wir wolln noch nicht alleine
sein, schließen uns den andern an.
wieder neuer Morgen, wo wir mutlos zwischen Stühlen
stehn, wissen nicht warum wissen nicht warum wir ändern
müssen und für wen, und wir sehn unsern Nachbarn zur
Frühschicht gehen, und wir sehn die Gesichter, plötzlich glimmt es auf, und einer spricht, was alle denken,
aus.
unser Tag wird ein neuer Anfang
sein, an dem wir nicht mehr wanken, in unserm Urteil schwanken, wo wir mit denen, die nach vorne
schaun, uns eine bessre Zukunft baun.
wieder eine Nacht, die wir mit reden zugebracht, wir haben festgestellt, haben festgestellt, daß nur die
Tat uns Beine macht, und wir merken jeder Tag ist Arbeit
und wir sehen ein, jeder Schritt zurück muß neuer
Anfang sein, wir sind doch viel zu viele um
allein zu sein.
unser Tag wird ein neuer Anfang
sein, an dem wir nicht mehr wanken, in unserm Urteil schwanken, wo wir mit denen, die nach vorne
schaun, uns eine bessre Zukunft baun.
Ich mache meine Augen auf, alles
ist noch in Ordnung. Langsam aufstehen, ohne Hast wie
immer, ich gehe erst einmal pinkeln. Von der Toilette zum Bad, bin
nicht mehr müde, Hände, Seife, Wasser, Gesicht
und Hände, Zahnbürste, Mund und Zähne, ich nehme das Handtuch. 7 Uhr 15, gehe jetzt. Tasche in der Hand, Apfel im Mund,
Tür zu.
Ich gehe schneller, muß den Bus
noch kriegen. Ich sehe Menschen, Tiere, Polizisten. 7 Uhr 30 im Büro, alles wie gestern. Telefon ab: '' Hoffmann, ja ,
nein danke, vielleicht, aus.'' 9 Uhr 30 Frühstück, danach Zigarette und Toilette, bald ist Mittag. 12 Uhr 30 Mittag. Ich kauf' mir
'ne Currywurst, geh' spazieren, rauch 'nje Zigarette. Bis 16 Uhr Telefon '' Hoffmann,
ja, nein, danke, vielleicht, aus. '' Gleich ruf Harry an.
wolln mal sehen, Bruder, was wir
noch nicht verstehen, vielleicht gibt's Worte Bruder, von denen wir noch nie gehört, weil uns größere im Denken oft
gestört. Wolln zusammen gehen, Bruder,
und wir finden sie, gleich schon morgen, Bruder, morgen
oder nie. Wenn ein Wort, Bruder, das in
ihren Herzen schwingt, bald auch in unsern tauben Ohren
klingt.
Habe mir diesmal 'ne Curry-Bulette
gekauft. Dabei, danach fernsehen. Ich sehe
junge Leute, die rauchen, die machen Komplimente. Es ist zirka 22 Uhr 30, ich bin
wieder müde. Geh' auf die Toilette, mach' das
Fenster auf, mach das Fenster zu. Ich gehe
zurück ins Zimmer, lösche die Zigarette und das Licht, zieh' mich aus, lege mich hin
und schlafe.
wolln mal sehen, Bruder, was wir
noch nicht verstehen, vielleicht gibt's Worte Bruder, von denen wir noch nie gehört, weil uns größere im Denken oft
gestört. Wolln zusammen gehen, Bruder,
und wir finden sie, gleich schon morgen, Bruder, morgen
oder nie. Wenn ein Wort, Bruder, das in
ihren Herzen schwingt, bald auch in unsern tauben Ohren
klingt.
an der Bockwurschtbude sitzen, sich den Ketchup um die Ohren
haun, die Wurst fängt an zu schwitzen. Wenn Old Emmes uff'n Aalstand seinen Knorpel nochmal ölt, mit dem Daumennagel eenem Aal die Haut vom Fette schält, und ick klemm'ma meene Klemmen
ab, vom Fahrrad steig' ick grob, kloppe mir den Staub vom Scheitel, drängle mich zum Essigseidel, fische mir 'ne Jurke aus'm Topp.
da hock' ick mich breit, der Kohlrabi weeß Bescheid, die Büchse mit Ravioli, die bleibt
zu, ick hab' Markttag, der Markt tagt, frisches Eiweiß durch Fisch sagt
mir zu.
von eenem Stand zum andern, doch plötzlich wird mir taumelig, die Sinne, die wolln mir wandern. Ick glob' meen Hamster pfeift
mir Zoten, augenblicklich seh' ick klar, 'ne Jurkenband spielt Rock nach
Noten, Pampelmusen tanzen Cha-Cha-Cha. Und ick setz' mir erstmal, trink'n
Schlückchen Selter auf den Schreck, wische mir die Augen blank, stell' det Fahrrad an die Wand, doch plötzlich ist die ganze Chose
weg.
da hock' ick mich breit, der Kohlrabi weeß Bescheid, die Büchse mit Ravioli, die bleibt
zu, ick hab' Markttag, der Markt tagt, frisches Eiweiß durch Fisch sagt
mir zu.
den Gemüsevorratsstand, und ick seh' die kleene Dicke
hinterm Grünkohl friern, da geh' ick ihr'n bißchen zur
Hand. Und weil ick ihr so imponiere, behängt se mich mit Koppsalat, krieg' ne rote Birne, schenkt
se mir, ick lass' dann von ihr ab. Und ick klemm'ma meene Klemmen
an, uff's Fahrrad steig' ick grob, zwäng' ma durch die Menschenmassen, die nach weißen Eiern fassen, setz' ma meene Mütze uff'n Kopp.
da hock' ick mich breit, der Kohlrabi weeß Bescheid, die Büchse mit Ravioli, die bleibt
zu, ick hab' Markttag, der Markt tagt, frisches Eiweiß durch Fisch, Liter Milch uffm Tisch, und Tomaten, Mixed Pickles, mit Käse umwickelt, denn alles sagt mir ungeheuer
zu.
'nen Automaten geknackt, in der Kurve haben uns die Bullen
erwischt, der verdammte Reifen, der platzte. Die führen mich grade in die Verhandlung. Anna sitzt drüben, heule nicht. Die kriegt wahrscheinlich 'nen
Balg, hoffentlich weiß sie, von wem
sie's kriegt, sonst muß sie's wegmachen lassen, und wenn sie kein Geld hat, muß sie zur alten Schulzen, auf'n Küchentisch.
und ich weiß wie's weitergeht, gib mit tausend mehr, die sind so schnell verlebt, vielleicht geht's ohne Geld die letzten fünfzig Jahre noch, doch ich will raus aus diesem
Loch, ich will raus aus diesem Loch. Dann wär' ich ein Mensch, dann wär' ich mal frei, dann hätt' ich ein Haus, ein Auto, Frauchen, Ruhe, Schlaf und Hund und mehr, doch was dann ...? Da sitzt ja auch der Mann von
der alten Schulzen, der sollte für den Hauseigentümer
den Portier spielen. Der sollte uns auch auf die Straße
setzen, weil Mutter immer so viele Kerle
bei sich oben hat, doch Mutter sagt immer: '' Besser die 20 Mark von'nem
Typ, als in die Fabrik gehen. ''
und ich weiß wie's weitergeht, gib mit tausend mehr, die sind so schnell verlebt, vielleicht geht's ohne Geld die letzten fünfzig Jahre noch, doch ich will raus aus diesem
Loch, ich will raus aus diesem Loch. Dann wär' ich ein Mensch, dann wär' ich mal frei, dann hätt' ich ein Haus, ein Auto, Frauchen, Ruhe, Schlaf und Hund und mehr, doch was dann ...?
werde drei Monate kriegen, aber wenn ich dann rauskomme, dreh' ich ein Ding, daß euch die Ohren schlackern. dann bin ich fein raus, dann bin ich fein raus.
und ich weiß wie's weitergeht, gib mit tausend mehr, die sind so schnell verlebt, vielleicht geht's ohne Geld die letzten fünfzig Jahre noch, ich will raus aus diesem Loch, ich will raus aus diesem Loch. Dann wär' ich ein Mensch, dann wär' ich mal frei, dann hätt' ich ein Haus, ein Auto, Frauchen, Ruhe, Schlaf und Hund und mehr, doch was dann ...?
Das bleibt das bleibt unendlich Licht und Dämmerung, das bleibt, das bleibt, grenzenlose Heiterkeit und tägliche Veränderung. |
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